Laufen verbindet uns

Laufen verbindet! Und darum geht und ging es Shaul Ladany schon immer.

Mit flammender Begeisterung erzählt der heute 81jährige Jung und Alt, dass man über das Laufen zusammenkommt. Dass Laufen die Menschen auf eine ganz eigene, sehr emotionale und unglaublich intensive Art verbindet, berichtet er und blüht dabei richtig auf. Die ganze Welt könne man im Laufen erleben und nur in der Bewegung komme man sich in der Realität nahe, sagt er und richtet sich dabei immer wieder an die vielen jungen Zuhörer, die sich beim Jüdischen Nationalfonds JNF-KKL – Israels größte grüne Organisation – in München eingefunden haben.

Shaul Ladany war 1972 Mitglied der israelischen Olympia-Mannschaft und konnte den Attentätern von München nur knapp entkommen.

Ladany (Holocaust-Überlebender) war als Kind im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Er erinnert sich noch heute an zahlreiche Einzelheiten, kommt aber immer wieder sehr schnell auf sein heutiges Israel zu sprechen, dass er liebt und trotzdem mit schwarzem Humor auch hie und da kritisiert.

Shaul Ladany (1972 Mitglied der israelischen Olympia-Mannschaft) mit Christian Seebauer (Vorstand der Shvil Israel Pilgergesellschaft e.V.)
Shaul Ladany (1972 Mitglied der israelischen Olympia-Mannschaft) mit Christian Seebauer (Vorstand der Shvil Israel Pilgergesellschaft e.V.)

In einem persönlichen Gespräch erzählt mir Shaul später, wie wichtig es sei, junge Menschen für das Laufen zu begeistern. Dabei meint er auch die Verbindung zwischen Israel und Deutschland, für die er im Laufen einen ganz fantastischen, sportlichen und ganz unbefangenen Zugangsweg sieht.

Wenn Deutsche in Israel laufen, dann könne ein Israeli dem Deutschen zum Beispiel auf die Schulter klopfen, wenn er ihn überholt! Shaul schmunzelt dabei schelmisch und fügt an „Natürlich auch umgekehrt!“. Er erklärt mir, dass man beim Laufen auch Tanzen kann, dass man sich begrüßen oder kurz umarmen kann und dann wird er plötzlich ganz still…

„Die jungen Menschen müssen das nun machen“

Heute laufen junge Israelis durch Berlin und schließen Freundschaften fürs Leben. Und Deutsche laufen durch Tel Aviv und schließen auch Freudschaften fürs Leben.

Laufen ist eine Mission, erzählt er. Er trainiert heute noch immer fast jeden Tag, auch wenn er etwas traurig eingesteht, dass er nicht mehr ganz so viel machen kann, weil ihm die Pflege seiner Frau wichtiger geworden sei. Und auch hier bekomme ich recht schnell wieder seinen Humor zu spüren, als er mir erzählt, dass ein Kilometer in seinem Alter immer länger wird. Er lacht und fügt an, dass er heute immer der Erste, der Letzte und gleichzeitig auch der Einzige in seiner Altersgruppe sei, wenn er 50 Kilometer und mehr läuft.

JNF-KKL: Johannes Guagnin, Katja Tsafrir und Shaul Ladany
„Eine grüne Zukunft für Israel und seine Menschen“: Johannes Guagnin und Katja Tsafrir (JNF-KKL) und Shaul Ladany, Foto (c) Julian Wagner

Was ihn heute begeistert? Der Israel Trail zum Beispiel! Hier seien es plötzlich Deutsche Wanderer, die sich für „sein Land“, für „sein Israel“ interessieren. Man müsse das fördern. In Schulen, in Wandervereinen. Und wieder spricht Shaul von den jungen Menschen, die ihm am Herzen liegen und die er motivieren möchte.

Vielleicht ist Sport oder Bewegung tatsächlich eine Brücke zur Freundschaft, auf die wir bisher viel zu wenig gesetzt haben. So jedenfalls verstehe ich es, als Shaul zu mir sagt „die einen reden doch bloß, wir gehen einfach!“

Dass man im Laufen sein Glück finden kann, hat Shaul bewiesen. Jetzt liegt es an uns, es ihm nachzumachen und andere für echte Freundschaften zwischen Israel und Deutschland zu begeistern!